Brandschutz

Alles Rund um das Thema Brandschutz im Bestand
Brandschutzordnung auf einem Plan mit Schraubenzieher und Feuermelder © fovito /Adobe Stock
© fovito /Adobe Stock

Brandschutz im Bestand: Compliance, Risikominimierung und wirtschaftliche Umsetzung

Der Brandschutz ist bei Bestandsgebäuden eine der größten Herausforderungen für Eigentümer, Betreiber und öffentliche Träger – und gleichzeitig eine der wichtigsten Compliance-Aufgaben. Während Neubauten von Anfang an nach aktuellen Brandschutzvorgaben geplant werden, stehen Verantwortliche für Bestandsgebäude vor komplexen rechtlichen und technischen Fragen. Dies gilt gleichermaßen für Wohngebäude, Bürogebäude, Industrieanlagen, öffentliche Gebäude, Kirchen und Kultureinrichtungen.
In diesem Artikel erfahren Sie praxisnah, worauf es beim Brandschutz im Bestand wirklich ankommt – mit klaren Handlungsempfehlungen für verschiedene Gebäudetypen und Nutzungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Brandschutz im Bestand und warum ist er strategisch relevant?

Strategische Relevanz für verschiedene Gebäudeeigentümer

Bestandsschutz beim Brandschutz: Was gilt rechtlich?

Betreiberpflichten und Haftung

Die wichtigsten Brandschutzbauteile im Bestand

Vorbeugender und baulicher Brandschutz

Brandschutzkonzept: Die Basis jeder Planung

Abweichungen von Brandschutzanforderungen

Praxisbeispiel 1: Brandschutz-Ertüchtigung einer Industriehalle

Praxisbeispiel 2: Brandschutz in historischer Kirche

Brandschutz und Versicherungen

Digitales Brandschutzmanagement

Fazit: Brandschutz im Bestand als Risiko- und Wertfaktor

Was ist Brandschutz im Bestand und warum ist er strategisch relevant?

Brandschutz im Bestand bezeichnet alle Maßnahmen, die bei bestehenden Gebäuden ergriffen werden, um Menschen und Sachwerte vor Bränden zu schützen. Anders als im Neubau müssen hier oft nachträglich bauliche, anlagentechnische oder organisatorische Anpassungen vorgenommen werden.

Strategische Relevanz für verschiedene Gebäudeeigentümer

Brandschutz ist nicht nur eine gesetzliche Pflicht – er ist ein Risiko- und Wertfaktor:

Für gewerbliche Immobilieneigentümer:

Für Industrieunternehmen:

Für öffentliche Träger und Kommunen:

Für Kirchengemeinden und kulturelle Einrichtungen:

Bestandsschutz beim Brandschutz: Was gilt rechtlich?

Ein zentraler Begriff: Bestandsschutz. Ein Gebäude, das zum Zeitpunkt seiner Errichtung den damaligen baurechtlichen Vorschriften entsprach, genießt grundsätzlich Bestandsschutz.
Aber: Der Bestandsschutz erlischt in vielen Fällen:

In solchen Fällen verlangt die Bauaufsichtsbehörde, dass die Brandschutzanforderungen der aktuellen Landesbauordnung erfüllt werden.

Betreiberpflichten und Haftung

Neben dem Eigentümer trägt auch der Betreiber Verantwortung:
Prüfpflichten:

Organisatorischer Brandschutz:

Unterweisung:

Haftungsrisiko: Bei Personenschäden durch mangelnden Brandschutz drohen strafrechtliche Konsequenzen sowie zivilrechtliche Schadensersatzforderungen.

Die wichtigsten Brandschutzbauteile im Bestand

1. Brandschutztüren und Feuerschutzabschlüsse

Brandschutztüren verhindern die Ausbreitung von Feuer und Rauch. Sie müssen bestimmte Feuerwiderstandsklassen erfüllen (T30, T60, T90) und selbstschließend sein.

Besonderheiten nach Gebäudetyp:
Wohngebäude:

Büro- und Verwaltungsgebäude:

Industriegebäude:

Kultureinrichtungen (Museen, Theater):

Wer darf Brandschutztüren einbauen und prüfen?
Nur Fachfirmen mit entsprechender Zertifizierung. Die regelmäßige Überprüfung muss durch sachkundige Personen erfolgen (Brandschutzsachverständige, geschulte Mitarbeiter, Prüforganisationen).

2. Brandschutzverglasungen

Transparente Brandschutzlösungen ermöglichen offene Raumkonzepte bei gleichzeitiger Sicherheit – relevant für moderne Bürogebäude, Bibliotheken (Lesebereich mit Sichtverbindung) und Museen (Besucherführung).

3. Brandabschottungen und Durchdringungen

Durchdringungen von Decken und Wänden (Kabel, Rohre, Lüftungskanäle) müssen fachgerecht mit Brandschutzmörtel oder Brandschutzklappen verschlossen werden.
Kritische Bereiche:

4. Rettungswege und Fluchtwegtechnik

Sichere Rettungswege sind das A und O. Im Bestand fehlen oft: Zweite Rettungswege, Ausreichende Breiten, Notbeleuchtung und Beschilderung

Besonderheiten:

Versammlungsstätten (Kirchen, Theater, Konzertsäle):

Industriegebäude:

Hochhäuser (Büros, Hotels):

Vorbeugender und baulicher Brandschutz

Vorbeugender Brandschutz

Maßnahmen, die verhindern, dass ein Brand entsteht oder sich ausbreitet:
Organisatorischer Brandschutz:

Anlagentechnischer Brandschutz:

Abwehrender Brandschutz:

Baulicher Brandschutz

Konstruktive Maßnahmen am Gebäude:

Brandschutzkonzept: Die Basis jeder Planung

Ein professionelles Brandschutzkonzept ist bei jedem größeren Eingriff unerlässlich.
Inhalte:

Die Erstellung sollte durch einen Brandschutzsachverständigen erfolgen – idealerweise in enger Abstimmung mit der Bauaufsichtsbehörde.

Abweichungen von Brandschutzanforderungen

In der Praxis lassen sich nicht immer alle Anforderungen wirtschaftlich oder technisch umsetzen. Hier kommen Abweichungen ins Spiel.
Typische Kompensationsmaßnahmen:

Abweichungen müssen immer beantragt und genehmigt werden.

Wirtschaftlicher Vorteil: Oft sind Kompensationsmaßnahmen günstiger als die Erfüllung der Regelanforderungen.

Praxisbeispiele

Praxisbeispiel 1: Brandschutz-Ertüchtigung einer Industriehalle

Objekt: Produktionshalle, Baujahr 1982, 6.500 Quadratmeter, chemische Produktion
Ausgangssituation:

Lösungsansatz:

Ergebnis:

Brandschutz und Versicherungen

Der Brandschutz-Standard hat direkten Einfluss auf Versicherbarkeit und Prämien.
Versicherer prüfen:

Auswirkungen auf Prämien:

Digitales Brandschutzmanagement

Für   Eigentümer   mit   mehreren   Objekten   empfiehlt   sich   ein   digitales Brandschutzmanagement-System:
Funktionen:

Vorteile:

Fazit: Brandschutz im Bestand als Risiko- und Wertfaktor

Brandschutz im Bestand ist komplex – aber absolut machbar und wirtschaftlich sinnvoll, wenn man strukturiert vorgeht.
Die wichtigsten Erfolgsfaktoren:

Die Investition in professionellen Brandschutz zahlt sich mehrfach aus: Sie schützt Menschenleben, minimiert Haftungsrisiken, sichert Gebäudewerte, senkt Versicherungskosten und verhindert teure Betriebsunterbrechungen.
 
Sie planen eine Sanierung, Modernisierung oder Umnutzung von Bestandsgebäuden? Dann sollte der Brandschutz von Anfang an Teil Ihrer Planung sein. Mit erfahrenen Partnern im Bauen im Bestand lassen sich auch anspruchsvollste Anforderungen wirtschaftlich und technisch sinnvoll umsetzen.